ProMotion #034: Berliner Methodentreffen!

Veröffentlicht von Rosi Würtz am

Vor ziemlich genau 11 Jahren wollte ich das erste Mal am Berliner Methodentreffen teilnehmen. Meine damalige Sportverletzung machte mir jedoch einen ordentlichen Strich durch die Rechnung und zerlief dieses Vorhaben im Sand. Heute ist es endlich soweit: Dank des Kongresstransfers in die Onlinewelt läuft dieses Mal alles wie am Schnürchen und ich bin live dabei.

Countdown: Gleich startet das Berliner Methodentreffen 2021!

Ich sitze mit einer Tasse Kaffee in meinem Büro und starre gebannt auf meine Monitore. Vorsichtshalber habe ich einen Zweitmonitor aufgestellt, um auch meine QDA-Software nebenher im Blick zu haben und aufkommende Ideen notieren zu können. Es trudeln kurz nach 10 Uhr schon die ersten Teilnehmenden in den Zoom-Raum. Nach einem letzten Technikcheck warte ich und schlürfe ich die Reste aus der Kaffeetasse. Schon geht’s um Punk 10.30 Uhr los. Das erste Digitale Berliner Methodentreffen wird durch Günter Mey eröffnet und ich freue mich, ohne schweißtreibende Anreise den Worten lauschen zu können.

Schattenseiten der körperlichen Kopräsenz

Im Bürosessel durchhängen und Bewegungseinheiten zwischendurch durchführen ohne andere Teilnehmende zu stören: Ach, das ist wirklich toll! Das Back-to-Normal kann diesbezüglich gerne noch warten. Das ist mein Pandemiekommentar, den ich aus meiner derzeitigen vorteilhaften Bürostuhlposition ad hoc formuliere. Doch die Coronapandemie lässt Ungleichheiten jenseits meiner wohlbehüten Wellness-Oase ohne Deoversagen deutlich erscheinen. Spätestens an diesem Punkt ist Schluss mit lustig, denn auch Sozialforschung darf meiner Meinung nach nicht den dringlichen Bezug zu den Menschen auf diesem Planeten verlieren.

Krisen als Zeiten der Methodeninnovation

Die aktuelle Pandemie hat für einige Forschungsprojekte auch eine Feldzugangskrise hervorgerufen. Gleichzeitig fördern derartige Situationen Entwicklungen und Experimentierbereitschaft. Andere Gepflogenheiten bleiben hartnäckig bestehen. Mein Versuch via Event-Hashtag ins Gespräch zu kommen, verhallten eher klanglos in den Weiten von Twitter. Aber wer weiß: Vielleicht rufe ich mit meinem Tweet ja in unbestimmter Zukunft Anschlusskommunikationen hervor.

https://twitter.com/RosiWuertz/status/1418500156929056768?s=20

„Wir erleben derzeit eine High Season der Wissenschaftskommunikation!“, so Debora Niermann auf meine Fragen. Sie wünscht sich beim nächsten Berliner Methodentreffen einen Workshop zum Thema Wissenschaftskommunikation. Mich interessierten die folgenden beiden Aspekte:

  • 1. Frage: Wie könnte eine praktikable Wissenschaftskommunikation aussehen?
  • 2. Frage: Und an welche Zielgruppen würde sich diese Wissenschaftskommunikation richten?

Workshop über die Situationsanalyse nach Adele E. Clarke

Das waren wirklich intensive Stunden, in denen ich mich mehr schweigend als sprechend mit der Situationsanalyse nach Adele E. Clarke beschäftigen durfte. Ich lauschte gespannt der Präsentation einer Doktorandin, die ihr Projekt vorstellte. Die anschließende Diskussion zeigte mir, dass ich mich immer noch am Anfang meiner Forschungsbemühungen befinde. Das Diskursuniversum um die Situationsanalyse ist für mich eine sich impulsartig ausdehnende Arena und ich ziehe mir gerade erst einmal eine methodische Schutzausrüstung an, um nicht direkt von den vielen Möglichkeiten erschlag zu werden.

Wichtig für mich als „Anfängerin“ ist sicherlich der Mut für forschungstechnische und ressourcengerechte Entscheidungen, die eine erfolgsversprechende Analysekomposition erst ermöglichen. Hierfür war meine Teilnahme am Berliner Methodentreffen sicherlich gut. Und in diesem Sinne freue ich mich nun auf meine weitere Forschungsarbeit.

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Rosi Würtz

Soziologin mit den Schwerpunkten Digitalisierung und Gesundheit, derzeit Promotion (Uni Bonn) über betriebliche Gesundheitskommunikation von Krankenhäusern in sozialen Medien, staatlich anerkannte Physiotherapeutin mit einem Faible für Paläontologie und Raumfahrt