ForschungsFlashmob: ein roter Teppich für die Wissenschaft

Veröffentlicht von Rosi Würtz am

Wer glaubt, Gesellschaftswissenschaften gehörten der langweiligen Zunft an, der hat sich mächtig geirrt. Zumindest gilt dies, wenn ich mein Unwesen in der Nähe eines Forschungsprojektes treibe. So geschehen auch im Jahr 2009, als ich gemeinsam mit Professorin Dr. Kornelia Hahn (damals noch Privatdozentin) am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie das Seminar “Visuelle Sozialforschung” leiten durfte. Ich bin immer noch dankbar, dass die Universität Bonn so freundlich war und uns eine Drehgenehmigung für unser außergewöhnliches Projekt erteilte.

Wir hatten uns gemeinsam mit unseren rund 15 Studenten nämlich in den Kopf gesetzt, einen Flashmob auf dem Unigelände zu veranstalten. “Der rote Teppich wird ausgerollt…” lautete das Thema und untersuchte die unterschiedlichen Selbstinszenierungen der Passant*innen, vor deren Füßen wir scheinbar spontan einen roten Teppich wie auf einer Oscar-Verleihung ausrollten. Die Ergebnisse dieser Aktion sind hier in einer Kurzfassung aufbereitet.

Für Fragen zum Forschungsprojekt stehe ich gerne per E-Mail zur Verfügung!

Konzept “Visuelle Sozialforschung”

Die Forschungsgruppe “Visuelle Sozialforschung” am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn hatte bis 2010 ihre Adresse in der Lennéstrasse 25-27, in unmittelbarer Nähe zum Hofgarten. Wir erforschen aktuelle Phänomene des sozialen Lebens, das in eine visuelle Kultur bzw. Medienkultur eingebettet ist. Dabei entwickeln wir Forschungsmethoden, die ebenfalls visuelle Elemente aufgreifen. Sie stehen erkenntnistheoretisch in der Tradition der interpretativen Sozialforschung, stützen sich jedoch verstärkt auf

  • die Generierung visueller Daten,
  • die Analyse visueller Daten und
  • die Präsentation der Forschungsergebnisse in visueller Form (vgl. www.hofgartenwiese.de).

Unser zentrales Untersuchungsfeld ist die “Hofgartenwiese”. Dieser Ort ist für uns ein Mikrokosmos des Sozialen. Er ist ein Raum, der gleichzeitig außerhalb und innerhalb des urbanen Geschehens liegt. Der Aufenthalt im Hofgarten kann als “Auszeit” von den Alltagsaktivitäten, aber auch als eine Zeit der intensivierten Interaktion mit anderen gesehen werden. Außerdem können die Besucher des Hofgartens Regeln, die an anderen Orten gelten, als außer Kraft gesetzt betrachten, oder aber sich gerade an scheinbar ganz besonderen “Hofgartenregeln” orientieren.

Uns interessiert der Hofgarten und seine ganz konkrete Einbindung in den städtischen Alltag der früheren Bundeshauptstadt Bonn. Wir beobachten die dort stattfindenden Aktivitäten und inszenieren auch Interaktionen auf der Hofgartenwiese, die wir mit der Kamera festhalten und anschließend analysieren und interpretieren.

Public Science am Hofgarten Bonn

Von April 2009 bis Juli 2009 nutzten wir die Website www.hofgartenwiese.de als aktive Präsentations- und Diskussionsplattform im Rahmen unseres Hauptseminars “Visuelle Soziologie”.

Auch Interessierte, die nicht direkt mit der Universität Bonn in Verbindung standen, aber gerne mitwirken wollten, waren eingeladen, sich aktiv an unserem Projekt zu beteiligen, beispielsweise durch konstruktive Kommentare zu unseren Beiträgen auf der oben genannten Website.

Das Seminar “Visuelle Soziologie” erkundete die neuen Möglichkeiten einer Visualisierung soziologischen Wissens. Dabei standen zwei Aspekte im Vordergrund:

  1. Wie kann die soziologische Perspektive in eine visuelle Ästhetik transformiert werden? Hierbei ging es darum, Präsentations- und Vermittlungsmodi soziologischen Wissens für unterschiedliche Adressatenkreise zu entwickeln.
  2. Wie können die neuen visuellen Präsentationstechniken zur Bereicherung des Studiums aus Studierendensicht beitragen? Dieser Frage wurde durch die praxisorientierte Darstellung neuer digitaler Techniken nachgegangen.

Die Hofgartenwiese als zentraler Ort innerhalb der Bonner Universitätslandschaft diente uns als Mikrokosmos des sozialen Lebens. Hier setzten wir unsere Projektideen “in die Tat” um.

Unser Hauptseminar fand im Sommersemester 2009 im Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie (www.ipws.uni-bonn.de), Lennéstraße 27 im kleinen Übungsraum von 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr statt.

Seminarleitung: PD Dr. Kornelia Hahn und Kathrin Rosi Würtz, M.A.

Forschungsflashmop “Der rote Teppich wird ausgerollt…”

Organisation unseres Flashmobs VIA SOCIAL MEDIA

In der Tat: Wir haben bereits damals ganz massiv unsere verfügbaren Social Media Kanäle genutzt, um auf unseren Flashmob aufmerksam zu machen. StudiVZ war zu dieser Zeit noch frequentierter als heute und diente uns als Hauptverbreitungskanal. Lustigerweise wurde über dieses Medium auch der WDR auf unseren Flashmob hingewiesen und erschien kurzerhand mit einem Fernsehteam. Und so kam eine Berichterstattung zur nächsten: Kölner Stadtanzeiger, Wissenschaftszeitschrift forsch, der Radiosender WDR 5 und einige mehr.

Liste der Presseberichte:

Weitere Projektideen von unseren Seminarteilnehmer*innen

An dieser Stelle liste ich schlagwortartig die Ideen unserer Teilnehmer*innen auf und vielleicht ergeben sich hieraus Folgeprojekte.

  • Projektidee “Devianz im Hofgarten”
  • Projektidee “Verstecktes (Wissen) im Hofgarten”
  • Projektidee “Tag und Nacht im Hofgarten”
  • Projektidee “Wahrnehmung und Wirklichkeit im Hofgarten”
  • Projektidee “Der Hofgarten und seine Umgebung”
  • Projektidee “Selbstdarstellung auf der Hofgartenwiese”
  • Projektidee “Sozialstudie der Auswirkungen des Hofgartens auf die reziproke Anziehungskraft der Geschlechter”
  • Projektidee “Besuchskarte: räumliche Verteilung der Besucher*innen auf der Hofgartenwiese”
  • Projektidee “Hofgarten-Spielwiese”
  • Projektidee “Rollen, Erwartungen, Handlungen”
  • Projektidee “Mein Hofgarten”

Literaturtipps Visuelle Sozialforschung

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Rosi Würtz

Soziologin mit den Schwerpunkten Digitalisierung und Gesundheit, derzeit Promotion (Uni Bonn) über Führungskräfte und Gesundheitskommunikation, staatlich anerkannte Physiotherapeutin mit einem Faible für die Raumfahrt